Was sind eigentlich Faulholzinsekten?

Wenn Holz seinen Widerstand verliert – und die Natur übernimmt

Von der Zersetzung zum Zuhause – die Welt der Faulholzinsekten

Holz ist einer der faszinierendsten Baustoffe überhaupt: lebendig, warm, dauerhaft – wenn man es schützt. Doch wo Holz dauerhaft feucht bleibt, öffnet es der Natur Tür und Tor. Dort, wo Pilze bereits ihre Arbeit aufgenommen haben, tauchen sie auf: Faulholzinsekten – Insektenarten, die gezielt vorgeschädigtes, pilzbefallenes Holz besiedeln.

Sie sind keine klassischen Holzschädlinge, wie etwa der Hausbock oder Nagekäfer – sondern vielmehr Nutznießer von Vorschäden, sogenannte sekundäre Holzbewohner. Ihre eigentliche Aufgabe in der Natur ist sinnvoll: den letzten Schritt im Abbauprozess von totem Holz zu übernehmen. Doch in der gebauten Umwelt – speziell in historischen oder feuchtegeschädigten Gebäuden – können sie massive Schäden verursachen.


Was genau sind Faulholzinsekten?

Faulholzinsekten sind Arten, die auf holzabbauende Pilze angewiesen sind. Erst wenn Holz durch Feuchtigkeit biologisch abgebaut wird – durch Braun- oder Weißfäule – finden sie die Lebensbedingungen, die sie brauchen: weiches, feuchtes, strukturell geschädigtes Holz.

Ihre Larven nutzen das bereits zersetzte Material für die Entwicklung. Manche Arten ernähren sich direkt vom Holz, andere vom Pilzmyzel oder den Mikroorganismen, die sich im verrottenden Gewebe ansiedeln.


Wo kommen Faulholzinsekten vor?

  • In feuchten Kellern
  • In nicht abgedichteten Fachwerkzonen
  • In fehlkonstruierten Balkenköpfen
  • Bei aufsteigender Feuchtigkeit in Mauerwerk oder durch Kondensatbildung
  • In Bereichen, die von Hausschwamm oder Kellerschwamm befallen sind

Oft finden sie sich nach Wasserschäden, bei unzureichender Lüftung oder nach langer Vernachlässigung eines Bauwerks.


Häufige Faulholzinsekten in Deutschland – Gattungen & Arten

1. Gescheckter Nagekäfer (Xestobium rufovillosum) – die berühmte „Totenuhr“

  • Aussehen: 6–9 mm, braun mit gelblichen Flecken, gedrungener Körperbau
  • Klangvoll: Klopfendes Geräusch in der Paarungszeit – daher der Name „Totenuhr“
  • Lebensweise: Besiedelt holzzerstörend befallenes, feuchtes Holz mit Braun- oder Weißfäule
  • Bohrlöcher: Rund, 2–4 mm groß, Fraßgänge tief und verzweigt
  • Vorkommen: Besonders in alten Kirchen, Bauernhäusern, Speichern – meist dort, wo Feuchtigkeit lange gewirkt hat

2. Klopfkäfer (Ernobius mollis)

  • Aussehen: 3–6 mm, braun, feine Behaarung
  • Biologie: Entwicklung nur in pilzgeschädigtem Holz, besonders Fichte und Kiefer
  • Merkmale: Kleinere Ausfluglöcher (1–2 mm), feines Bohrmehl, meist in Decken- und Dachbalken
  • Vorkommen: Feuchte Dachstühle, ungeheizte Dachräume, Holzkirchen

3. Runzelnagekäfer (Hadrobregmus pertinax)

  • Aussehen: Ca. 5 mm, dunkelbraun, matt, runzelige Flügeldecken
  • Besonderheit: Larven fressen im Pilzmyzel durchsetztem Holz, meist mit Braunfäule
  • Schadbild: Ähnlich dem Gewöhnlichen Nagekäfer, jedoch mit tieferem, unregelmäßigem Befall
  • Vorkommen: Oft in Kellerräumen, in Fußbodenunterzügen oder Balken über feuchten Mauern

4. Weitere Begleiter (in der Natur häufiger, im Bau seltener)

  • Langhornkäfer der Gattung Rhagium: zersetzen liegendes, stark vermodertes Nadelholz
  • Schimmelkäfer (Latridiidae): keine direkten Holzschädlinge, zeigen aber mikrobiellen Befall an
  • Feuchtigkeitsanzeiger wie Silberfischchen, Asseln oder Springschwänze

Welche Schäden verursachen Faulholzinsekten?

  • Bohrlöcher und Gänge, meist in Verbindung mit bereits fauligem Holz
  • Erhebliche Substanzverluste, da sie das geschädigte Holz weiter abbauen
  • Verwechslung mit aktivem Hausbockbefall (z. B. bei Totenuhr)
  • Optisch störende Schäden, vor allem in Sichtbauteilen oder denkmalgeschützter Substanz

In vielen Fällen verschärfen sie vorhandene Schäden – sie selbst sind selten der Ausgangspunkt, aber sie machen’s am Ende richtig kaputt.


Praxisbeispiel: Der Balkenkopf unter der Regenrinne

Ein Denkmalobjekt in Norddeutschland – prachtvolles Fachwerk, rund 250 Jahre alt. Über Jahrzehnte lief Regenwasser aus einer defekten Dachrinne direkt auf den Anschlussbalken zwischen Fachwerk und Deckengebälk. Nach Jahren entwickelte sich dort ein massiver Braunfäulebefall durch Kellerschwamm.

Doch damit nicht genug: Bei der Freilegung fand sich ein weit verzweigtes Bohrbild – tiefe Fraßgänge, pulvriges Bohrmehl, charakteristische 2–3 mm Ausfluglöcher. Die Diagnose: Gescheckter Nagekäfer hatte sich eingenistet und das vorgeschädigte Holz weiter destabilisiert.


Wie schützt man sich vor Faulholzinsekten?

Da Faulholzinsekten nur bei feuchtem, vorgeschädigtem Holz auftreten, lautet die Devise:

1. Baulicher Holzschutz nach DIN 68800-2

  • Feuchtevermeidung durch konstruktiven Schutz
  • Trockene Einbaulage, Dachüberstände, Feuchtesperren

2. Kontrolle auf Feuchteeintrag

  • Regelmäßige Sichtprüfung auf Leckagen, Staunässe, Spritzwasser
  • Feuchtigkeitsmessungen in Altbauten, besonders an Übergängen zu Mauerwerk

3. Frühzeitige Sanierung bei Pilzbefall

  • Entfernen oder Abtrennen pilzgeschädigter Zonen
  • Austausch gegen technisch getrocknetes, gesundes Holz

4. Fachliche Untersuchung

  • Bei Verdacht auf Faulholzinsekten unbedingt durch einen Sachverständigen prüfen lassen
  • Differenzialdiagnose zu anderen Insekten (z. B. Hausbock vs. Totenuhr)

Fazit: Wo Pilze vorarbeiten, kommen die Käfer hinterher

Faulholzinsekten sind keine bloßen Mitläufer – sie sind der letzte Schlag gegen die Substanz eines Holzbauteils. Wo sie auftreten, liegt fast immer ein dauerhafter Feuchteschaden mit Pilzvorschäden vor.

Wer sie entdeckt, muss nicht nur die Käfer, sondern die Ursache dahinter beseitigen – und das bedeutet fast immer: Feuchte raus, Pilz weg, Holz schützen.


Sie haben Verdacht auf Feuchtigkeit und Insektenbefall?

Nehmen Sie Kontakt mit uns auf – wir erkennen, was andere übersehen:

Sachverständigenbüro Charles Knepper
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Charles Knepper

öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Halle/Saale seit 1997

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