Wenn Holz lebt – und andere mit einziehen
Wo wir wohnen, wohnen manchmal auch andere – mitten im Holz
Wer ein älteres Haus bewohnt oder saniert, kennt sie vielleicht: feine Bohrlöcher in Dielen, Bohrmehl auf dem Boden, seltsames Klopfen aus der Decke. Was viele nicht wissen: Das sind keine Zufälle – es sind Zeichen für Holzinsektenbefall. Und zwar von Trockenholz- und Feuchtholzinsekten – den häufigsten biologischen Holzschädlingen in unseren Wohngebäuden.
Diese Insekten leben verborgen in Balken, Decken, Treppen, Möbeln oder Fachwerkzonen. Sie sind klein, unsichtbar, aber zerstörerisch. Ihre Larven fressen sich über Jahre durch tragende Holzbauteile – oft unbemerkt.
Was sind Trockenholzinsekten – und was Feuchtholzinsekten?
Trockenholzinsekten entwickeln sich in lufttrockenem, verbautem Holz mit einer Holzfeuchte von unter 20 %. Sie benötigen kein frisches Holz – sondern Material, das über Jahre eingebaut und scheinbar trocken ist.
Feuchtholzinsekten hingegen sind auf erhöhte Holzfeuchte (über 20 %) angewiesen. Sie finden sich oft in Bereichen mit Kondensat, Leckagen oder aufsteigender Feuchtigkeit – besonders in Kombination mit beginnender Pilzbesiedlung.
Warum sind sie so gefährlich?
- Ihre Aktivität ist lange unsichtbar – die Schäden zeigen sich oft erst nach Jahren.
- Sie verursachen statikrelevante Holzverluste, auch in Dachstühlen oder Decken.
- Ihre Gänge durchlöchern tragende Querschnitte, was zu Instabilität und Einsturz führen kann.
- Eine Verwechslung mit alten (inaktiven) Befällen ist ohne Fachkenntnis kaum möglich.
Die häufigsten Trockenholzinsekten in Deutschland
1. Hausbockkäfer (Hylotrupes bajulus) – der Klassiker im Dachstuhl
- Aussehen: 8–25 mm, dunkelbraun bis schwarz, mit zwei hellen Flecken
- Befallsort: Dachstühle aus Fichten- oder Kiefernholz
- Fraßbild: Ovale Ausfluglöcher (6–8 mm), grobes Bohrmehl, tiefe Fraßgänge im Splintholz
- Gefahr: Substanzverlust und Tragfähigkeitsverlust – oft erst spät erkennbar
2. Gewöhnlicher Nagekäfer (Anobium punctatum) – der „Holzwurm“
- Aussehen: 2,5–5 mm, braun
- Befallsort: Möbel, Dielen, Vertäfelungen, Kircheninventar
- Fraßbild: Kleine, runde Löcher (1–2 mm), feines Bohrmehl, geringe Tiefe
3. Gescheckter Nagekäfer (Xestobium rufovillosum) – die Totenuhr
- Aussehen: 6–9 mm, gescheckt, auffällig
- Merkmal: Klopfgeräusche in der Paarungszeit
- Voraussetzung: Feuchtes, pilzgeschädigtes Holz
- Fraßbild: Ausfluglöcher ca. 3 mm, tief verzweigte Fraßgänge
4. Brauner Splintholzkäfer (Lyctus brunneus) – der unsichtbare Möbelkiller
- Aussehen: 2,5–8 mm, rötlichbraun, schmal
- Zielholz: Laubholz-Splintholz mit hohem Stärkegehalt – Buche, Eiche, Esche
- Vorkommen: Parkett, Möbel, Furniere, Innenausbau – auch in Neubauten!
- Fraßbild: Sehr feines, mehlartiges Bohrmehl, runde Löcher (1–2 mm)
- Besonderheit: Wird häufig durch Importhölzer eingeschleppt, auch nach Jahren noch aktiv
5. Runzelnagekäfer (Hadrobregmus pertinax) – Feuchtespezialist
- Aussehen: 5 mm, dunkel, runzelige Oberfläche
- Befall: Feuchtes Nadelholz, oft in Kellern oder Balkenköpfen
- Fraßbild: Runde Löcher, unregelmäßige Fraßgänge
Häufige Feuchtholzinsekten
1. Klopfkäfer (Ernobius mollis)
- Aussehen: 3–6 mm, fein behaart
- Befall: Nur in feuchtem, vorgeschädigtem Holz
- Vorkommen: Dachstühle, ungeheizte Räume, Altbauten
2. Holzwespen und Holzfliegen (z. B. Sirex gigas)
- Auftreten: Große Insekten, häufig in befallenem Konstruktionsholz
- Besonderheit: Entwicklung beginnt oft im Frischholz, Schlüpfen nach Einbau
- Vorkommen: Sichtbare Schlupflöcher in Wänden oder Decken – begleitet von lautem Summen
Wie erkenne ich den Befall?
- Bohrlöcher (Größe, Form, Anordnung)
- Bohrmehl (frisch, fein oder faserig)
- Klopfgeräusche
- Hohl klingendes Holz
- Unregelmäßige Oberflächenstruktur
Was tun bei Verdacht?
1. Professionelle Begutachtung
- Differenzierung zwischen aktivem und altem Befall
- Identifikation der Art
- Bewertung der Schadensausdehnung
2. Bekämpfung
- Heißluftverfahren
- Chemische Behandlung nach DIN 68800-4
- Begasung (in Spezialfällen)
- Holzaustausch bei tragender Funktion
3. Prävention
- Trockenhaltung des Holzes
- Technisch getrocknetes Holz verwenden
- Keine Staunässe, keine Leckagen
- Regelmäßige Sichtkontrollen
Fazit: Wachsamkeit schützt vor massivem Schaden
Trockenholz- und Feuchtholzinsekten zählen zu den häufigsten tierischen Gebäudeschädlingen in Deutschland. Sie sind keine Frage des Alters – sondern der Bauweise, Nutzung und Wartung. Wer früh erkennt und richtig handelt, kann oft größere Schäden und Kosten vermeiden.
Sie haben Verdacht auf Holzschädlinge?
Dann ist es Zeit für einen Fachmann.
Sachverständigenbüro Charles Knepper
Kirchweg 4
06295 Lutherstadt Eisleben
Funk: 0177 – 4007130
E-Mail: gutachter-knepper@online.de
Webseiten:
www.schimmelhilfe24.de
www.holzschutz-gutachten24.de
www.gutachter-knepper.de
www.bauschaden24.eu