Weißfäule – Korrosionsfäule als schleichender Holzzerstörer

Einleitung: Was ist Weißfäule?

Die sogenannte Weißfäule, auch Korrosionsfäule genannt, ist eine Form biologischer Holzzerstörung, die durch spezielle holzzerstörende Pilze verursacht wird. Sie tritt überwiegend bei Laubhölzern, aber auch bei bestimmten Nadelhölzern auf und zeichnet sich durch den Abbau des Lignins im Holz aus.

Anders als bei der Braunfäule, bei der die Zellulose zersetzt wird, bleibt bei der Weißfäule die Zellulose zunächst erhalten, während Lignin und Hemizellulosen zersetzt werden. Das führt dazu, dass das Holz aufhellt, faserig weich wird und in sich zerfällt, ohne die quaderförmige Rissbildung, die für Braunfäule typisch ist.

Der Begriff Korrosionsfäule beschreibt treffend den Eindruck des angegriffenen Holzes – wie von innen heraus aufgeweicht, vergleichbar mit korrodiertem Metall. Die Tragfähigkeit des Holzes wird dabei ebenso stark beeinträchtigt wie bei der Braunfäule.


Ursachen der Weißfäule

Die Entstehung der Weißfäule setzt bestimmte Umweltbedingungen voraus:

  • Holzfeuchte über 25 % (optimal 30–40 %)
  • Gute Belüftung, da viele Weißfäulepilze aerobe Organismen sind
  • Moderate Temperaturen (10–30 °C, optimal um 20 °C)
  • Langfristige Einwirkung von Feuchte
  • Fehlender Holzschutz, insbesondere bei nicht dauerhaften Hölzern

Häufig tritt Weißfäule in verdeckten, schlecht gewarteten Holzbauteilen auf, etwa bei Laubholzschwellen, nicht belüfteten Terrassenkonstruktionen oder eingebauten Deckenschalungen aus Buche oder Esche.


Erkennungsmerkmale von Weißfäule

Weißfäule lässt sich anhand typischer Merkmale erkennen, die sich sowohl visuell als auch haptisch zeigen:

  • Helle Verfärbung des Holzes (grauweiß, silbrig, bleich)
  • Fasrige, zottelige Holzstruktur
  • Weiches, lappenartig zerfaserndes Holz
  • Oberflächenabrieb bei Berührung
  • Keine Querrissbildung, sondern längs verlaufende Zerfaserung
  • Volumenschwund und Festigkeitsverlust

Im Gegensatz zur Braunfäule bleibt das Holz bei Weißfäule zunächst optisch länger intakt, verliert jedoch ebenso früh seine Tragfähigkeit – was die Gefährdung für begehbare Bauteile wie Decken, Treppen oder Stege erhöht.


Typische Weißfäulepilze laut Kempe

In der Fachliteratur und besonders im Werk „Dokumentation Holzschädlinge“ von Kempe werden mehrere relevante Weißfäulepilze im Bauwesen benannt:

1. Trametes versicolor (Schmetterlings-Tramete)

  • Häufiger Erreger bei Laubholz im Außenbereich
  • Bildet mehrfarbige Fruchtkörper, fächerförmig
  • Besonders aktiv bei schlechter Abtrocknung

2. Pleurotus ostreatus (Austernseitling)

  • Kann Holz bei hoher Feuchte schädigen
  • Bildet auffällige Fruchtkörper an totem Holz

3. Lentinus tigrinus / Lentinula edodes

  • Zersetzt Lignin stark, führt zur vollständigen Holzstrukturauflösung

4. Phanerochaete chrysosporium

  • Laborbekannt, natürlicher Erreger von Weißfäule mit hoher Enzymaktivität
  • Bedeutung bei der Biotechnologie – aber auch im natürlichen Holzabbau

Laut Kempe kommt es zu Weißfäule insbesondere bei schlecht belüfteten, feuchten Hölzern, die nicht mit fungiziden Schutzmitteln behandelt wurden – häufig bei alten Dachausbauten oder verblendeten Deckenlagen.


Unterscheidung Weißfäule und Braunfäule

MerkmalWeißfäuleBraunfäule
FarbveränderungAufhellung, weißlich-grauDunkelbraun, kaffeebraun
StrukturveränderungFaserig, weich, lappigWürfelig, spröde, quaderförmig zerfallend
AbbauLignin und HemizelluloseZellulose
Holzart bevorzugtMeist Laubhölzer (z. B. Buche, Esche)Meist Nadelhölzer (z. B. Fichte, Kiefer)
BefallsbildOberflächlich auflösend, zotteligInnerlich zerfallend, trocken
Tragfähigkeitsverlustschleichend, aber vollständigschnell, vollständig

Schäden durch Weißfäule – Beispiele aus der Praxis

Kempe dokumentiert u. a. folgende Schadensszenarien:

  • Fußbodenschalungen aus Buche: unter PVC-Belägen → dauerfeucht → Weißfäule
  • Massivholzdecken in Altbauten: ungenügend abgedichtet → Pilzbefall
  • Stufen von Außentreppen aus Laubholz: keine konstruktive Trocknung → Zersetzung
  • Terrassendielen aus ungeschützter Esche: Aufhellung, Zersetzung durch Weißfäule

Auffällig ist, dass Weißfäule häufig dann auftritt, wenn scheinbar „hartes“, „hochwertiges“ Laubholz ungeschützt Feuchtigkeit ausgesetzt wird.


Schutzmaßnahmen gegen Weißfäule

1. Konstruktiver Holzschutz

  • Regenabweisende Planung (z. B. mit Tropfkanten)
  • Hinterlüftung aller Holzelemente
  • Keine direkten Erd- oder Sockelanschlüsse
  • Spritzwasser- und Staunässevermeidung

2. Geeignete Holzarten

  • Nur dauerhafte Hölzer (z. B. Robinie, Eiche) in kritischen Bereichen
  • Keine Verwendung von Buche, Esche, Birke oder Ahorn im Außenbereich ohne Schutz

3. Modifizierte Hölzer

  • Thermoholz (z. B. Thermo-Esche) mit höherer Dauerhaftigkeit
  • KEINE vollständige Sicherheit – aber besser als unbehandeltes Holz

4. Chemischer Holzschutz (nach DIN 68800-3)

  • Nur zulässig, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen
  • Druckimprägnierung für Laubhölzer schwierig → Splintholzaufnahme begrenzt

Vorgehen bei festgestellter Weißfäule

Bei sichtbaren Anzeichen oder Verdacht auf Weißfäule gilt:

  1. Holzbauteil freilegen und Holzfeuchte messen
  2. Festigkeit prüfen (z. B. mit Sondierwerkzeugen, Bohrwiderstandsmessung)
  3. Pilzart sicher bestimmen lassen (ggf. durch Laboruntersuchung)
  4. Befallene Teile vollständig entfernen
  5. Konstruktive Ursachen (Feuchte) beseitigen
  6. Neubau mit geeigneten Holzarten oder Schutzmaßnahmen

Eine gutachterliche Einschätzung ist bei sicherheitsrelevanten Bauteilen (Treppen, Decken, Auflager) immer erforderlich.


Fazit: Weißfäule – unterschätzte Gefahr durch Feuchte und falsche Holzwahl

Die Weißfäule ist im Bauwesen ebenso zerstörerisch wie Braunfäule, tritt aber häufig in anderen Bereichen und Holzarten auf. Besonders bei Laubhölzern im Außenbereich ohne ausreichenden Schutz ist sie eine häufige Schadensursache. Prävention ist möglich – durch Auswahl geeigneter Hölzer, fachgerechte Planung und regelmäßige Kontrolle.

Empfehlungen:

  • Keine Laubhölzer im Außenbereich ohne Schutz verwenden
  • Weißfäule ernst nehmen – auch bei optisch wenig verändertem Holz
  • Konstruktive Feuchteeinträge systematisch verhindern
  • Bei Schäden oder Verdacht: Holzschutz-Sachverständigen beauftragen

Kontakt

Sie haben den Verdacht auf Weißfäule oder möchten Ihre Holzkonstruktionen begutachten lassen?

Sachverständigenbüro Charles Knepper
Kirchweg 4
06295 Lutherstadt Eisleben
Funk 0177 4007130
E-Mail: gutachter-knepper@online.de

Weitere Informationen:
https://holzschutz-gutachter24.de
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https://gutachter-knepper.de
https://bauschaden24.eu


Quellen:

  • DIN EN 335
  • DIN 68800 Teile 1–4
  • Dokumentation Holzschädlinge – Kempe
  • Eigene Erfahrungen aus der Gutachterpraxis

Charles Knepper

öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Halle/Saale seit 1997

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