Tanne – Eigenschaften, Dauerhaftigkeit, Verwendung und Holzschutz

Einleitung: Die Weißtanne als traditionsreicher Baustoff

Die Tanne, genauer gesagt die Weißtanne (Abies alba), ist ein klassisches Bauholz aus den mitteleuropäischen Gebirgsregionen. In der Forstwirtschaft weniger dominant als Fichte, ist sie dennoch seit Jahrhunderten ein bewährter Werkstoff – insbesondere im süddeutschen Raum, in der Schweiz und in Österreich.

Technisch lässt sich Tannenholz gut bearbeiten, es ist harzfrei und formstabil. Jedoch weist es ähnliche biologische Schwächen wie die Fichte auf – insbesondere eine geringe natürliche Dauerhaftigkeit. Um Schäden zu vermeiden, sind klare Schutzmaßnahmen erforderlich, die sich aus der aktuellen DIN 68800 und der Einstufung nach DIN EN 350 ergeben.


Technische Eigenschaften der Tanne

Die Weißtanne ist ein weiches, mittelschweres Nadelholz, das optisch der Fichte sehr ähnelt, aber harzfrei ist. Dies macht es besonders geeignet für den Innenausbau und für verklebte Holzprodukte wie Brettschichtholz oder Mehrschichtplatten.

Wichtige Kennwerte:

  • Rohdichte (lufttrocken): ca. 0,43 g/cm³
  • Druckfestigkeit parallel zur Faser: ca. 42–50 N/mm²
  • Biegefestigkeit: ca. 70–80 N/mm²
  • Elastizitätsmodul: ca. 10.000–11.000 N/mm²
  • Schwindverhalten: ähnlich Fichte, tangential 7–10 %, radial 3–5 %

Im Trocknungsverhalten ist die Tanne ruhiger als die Fichte – sie neigt weniger zu Harzaustritten und Rissbildungen. Auch die geringe Astigkeit der Gebirgstanne gilt als vorteilhaft.


Dauerhaftigkeit der Tanne nach DIN EN 350

Wie die Fichte ist auch die Tanne aus Sicht der biologischen Dauerhaftigkeit nicht beständig. Nach DIN EN 350 fällt sie in die Dauerhaftigkeitsklasse 4 bis 5 (wenig bis nicht dauerhaft) – sowohl gegenüber:

  • holzzerstörenden Pilzen
  • Insekten (v. a. Hausbock)
  • Schimmel und Bläuepilzen

Nur das Kernholz der Tanne wird bewertet – das Splintholz gilt grundsätzlich als nicht dauerhaft und hoch anfällig. Der Splintholzanteil ist bei der Tanne oft deutlich ausgeprägt, was die Schutzanforderungen zusätzlich erhöht.

Besonderheit:

Obwohl harzfrei, ist die Tanne nicht weniger gefährdet als die Fichte – sie benötigt ebenso konsequenten baulichen oder chemischen Holzschutz.


Schadensrisiken laut Kempe: Befall durch Pilze und Insekten

Im Fachbuch „Dokumentation Holzschädlinge“ wird die Tanne mehrfach als häufig befallene Holzart aufgeführt – insbesondere in Dachstühlen älterer Gebäude, die aus Tannenholz errichtet wurden. Dort treten regelmäßig folgende Schaderreger auf:

  • Hausbockkäfer (Hylotrupes bajulus): Befällt trockenes, nicht ausreichend getrocknetes Splintholz im Dachbereich.
  • Braunfäulepilze (z. B. Coniophora puteana): Bei erhöhter Feuchtigkeit.
  • Echter Hausschwamm (Serpula lacrymans): Gefährlich bei langfristiger Durchfeuchtung.
  • Bläue und Schimmelpilze: Besonders bei Bauholz, das unsachgemäß gelagert oder nicht abgedeckt wurde.

Kempe betont, dass Tanne ohne technischen Holzschutz nur in trockenen, geschützten Bereichen dauerhaft eingesetzt werden kann.


Holzschutzanforderungen nach DIN 68800

Für den Einsatz der Tanne im Bauwesen gelten die Regelungen der DIN 68800-1 bis -4. Die Norm erlaubt die Verwendung wenig dauerhafter Hölzer nur unter bestimmten Bedingungen.

GebrauchsklasseEinsatzortTanne zulässig?
GK 0Innen, dauerhaft trockenJa, ohne Schutz
GK 1Innen mit geringer LuftfeuchtigkeitJa, mit baulichem Schutz
GK 2Innen/außen, gelegentlich feuchtNur mit Schutzmaßnahmen
GK 3.1Außen, bewittert, aber gut abtrocknendNein ohne Imprägnierung
GK 3.2Außen, bewittert, schlecht abtrocknendNur mit chemischem Holzschutz
GK 4Erd- oder WasserkontaktNicht zulässig, auch nicht imprägniert

In der Gebrauchsklasse 3 darf Tannenholz nur mit geeigneter Imprägnierung eingesetzt werden. Der Einsatz in GK 4 (Erdkontakt) ist wegen fehlender Dauerhaftigkeit ausgeschlossen.


Typische Einsatzbereiche für Tannenholz

Bei Beachtung der Normanforderungen bietet die Tanne vielfältige Einsatzmöglichkeiten:

  • Dachstühle im Innenbereich (z. B. in Süddeutschland sehr verbreitet)
  • Leimbinder und Brettschichtholz – aufgrund harzfreier Eigenschaften gut geeignet
  • Innenausbau, Täfelungen, Deckenverkleidungen
  • Fensterrahmen (historisch), Möbelbau

Im modernen Holzrahmenbau wird Tanne auch als KVH (Konstruktionsvollholz) verarbeitet – meist technisch getrocknet, visuell sortiert und gehobelt. Für den Außenbereich ist sie ohne Schutzmaßnahmen nicht geeignet.


Vorteile und Grenzen der Tanne im Vergleich

Vorteile:

  • Harzfrei (ideal für Leimverbindungen und Lackierungen)
  • Formstabil und schwindarm
  • Angenehme Optik und gute Bearbeitbarkeit
  • Gutes Stehvermögen

Nachteile:

  • Geringe Dauerhaftigkeit
  • Hoher Splintholzanteil
  • Anfällig für Hausbock- und Pilzbefall
  • Nur bedingt imprägnierbar

Gutachterliche Bewertung von Tannenholz im Bestand

Bei der Beurteilung bestehender Holzkonstruktionen aus Tanne prüft der Sachverständige:

  • Ist ein Befall vorhanden (z. B. Hausbock)?
  • Wie hoch ist die Holzfeuchte?
  • Gibt es Splintholzanteile im bewitterten Bereich?
  • Ist der bauliche Holzschutz ausreichend umgesetzt?
  • Wurden die Anforderungen nach DIN 68800 erfüllt?

In vielen Altbauten zeigen sich massive Schäden an Tannenholz, insbesondere bei Durchfeuchtung oder mangelnder Belüftung im Dachbereich.


Fazit: Tanne braucht Schutz und Sachverstand

Tannenholz ist traditionell bewährt, technisch vielseitig, aber aus Sicht des Holzschutzes ein gefährdeter Werkstoff. Seine geringe natürliche Dauerhaftigkeit erfordert in vielen Fällen bauliche oder chemische Schutzmaßnahmen. Bei richtiger Anwendung bleibt es jedoch ein attraktives und zuverlässiges Konstruktionsholz – insbesondere im Innenbereich.

Empfehlung:

  • Einsatz nur in trockenen Bereichen oder mit Schutzmaßnahmen
  • Keine Verwendung im direkten Außenbereich ohne Schutz
  • Technisch getrocknetes Holz mit niedrigem Splintholzanteil bevorzugen
  • Konstruktionen so planen, dass Feuchteeintrag ausgeschlossen ist

Kontakt

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Gerne beraten wir Sie fachlich fundiert, unabhängig und normgerecht.

Sachverständigenbüro Charles Knepper
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Quellen:

  • DIN EN 350
  • DIN 68800 Teile 1–4
  • Dokumentation Holzschädlinge – Kempe
  • Eigene Erfahrungen aus der gutachterlichen Praxis

Charles Knepper

öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Halle/Saale seit 1997

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