Einleitung: Die Kiefer – robust, vielseitig, aber schutzbedürftig
Die Kiefer ist eine der bedeutendsten einheimischen Nadelholzarten – sowohl aus forstwirtschaftlicher Sicht als auch im Bauwesen. Ihr geradfaseriges, tragfähiges Holz wird für zahlreiche Anwendungen genutzt: Von der tragenden Konstruktion über Fensterholz bis hin zum Außenbereich. Doch mit all ihren Vorteilen bringt die Kiefer auch eine deutliche Schwäche mit: ihr Splintholz ist extrem anfällig gegenüber holzzerstörenden Organismen.
Dieser Beitrag beleuchtet die technischen Eigenschaften, die biologische Dauerhaftigkeit, die Schutzmaßnahmen nach DIN 68800 und die gutachterliche Bewertung im Schadensfall.
Technische Eigenschaften der Kiefer
Die Kiefer liefert ein mittelschweres, festes und gut bearbeitbares Holz, das sowohl im Handwerk als auch in der Industrie geschätzt wird.
Wichtige Kennwerte:
- Rohdichte (lufttrocken): ca. 0,50–0,55 g/cm³
- Druckfestigkeit: ca. 45–55 N/mm²
- Biegefestigkeit: ca. 80–100 N/mm²
- Elastizitätsmodul: ca. 10.000–12.000 N/mm²
- Schwindverhalten: mäßig bis deutlich (tangential ca. 8–10 %, radial ca. 4–5 %)
- Harzgehalt: hoch (besonders im Kernholz)
Die Kiefer weist ein deutlich sichtbares Splint-Kern-Gefälle auf: Das Splintholz ist hell, das Kernholz rötlich-gelb bis rotbraun und harzhaltig.
Dauerhaftigkeit nach DIN EN 350 – der große Schwachpunkt: das Splintholz
Die biologische Dauerhaftigkeit der Kiefer ist stark abhängig vom Holzanteil:
- Kernholz: mäßig dauerhaft (Klasse 3–4)
- Splintholz: nicht dauerhaft (Klasse 5)
Nach DIN EN 350 fällt Kiefernsplintholz in die schlechteste Dauerhaftigkeitsklasse. Es ist besonders anfällig für:
- Holz zerstörende Pilze
- Hausbockkäfer
- Splintholzkäfer (Lyctus spp.)
- Bläuepilze und Schimmel
Kempe betont, dass Kiefernholz bei ungeschützter Bewitterung sehr schnell befallen wird – insbesondere wenn es nicht ausreichend imprägniert oder konstruktiv geschützt ist.
„Das Splintholz der Kiefer stellt ein massives Risiko im Holzbau dar, wenn es nicht behandelt oder geschützt wird.“ – Kempe
Holzschutzanforderungen für Kiefer nach DIN 68800
Die DIN 68800 fordert für die Kiefer klare Maßnahmen zum vorbeugenden Holzschutz, insbesondere bei bewitterten Bauteilen. Die Norm ordnet die Schutzmaßnahmen nach der sogenannten Gebrauchsklasse (GK):
| Gebrauchsklasse | Einsatzbedingungen | Kiefer zulässig? |
|---|---|---|
| GK 0–1 | Innen, trocken | Ja, ohne weitere Maßnahmen |
| GK 2 | Innen/außen, gelegentlich feucht | Nur mit Schutzmaßnahmen |
| GK 3.1 | Außen, bewittert, gut abtrocknend | Nur mit kesseldruckimprägniertem Splintholz |
| GK 3.2 | Außen, bewittert, schlecht abtrocknend | Nur imprägniertes oder modifiziertes Holz |
| GK 4 | Erd- oder Wasserkontakt | Nur imprägniertes Holz mit erhöhter Schutzklasse |
Besonders im Außenbereich darf Kiefer nur mit Druckimprägnierung (z. B. Tanalith, Wolmanit) eingesetzt werden – das ist gängige Praxis bei Gartenholz, Zäunen, Terrassenunterkonstruktionen oder Carports.
Typische Einsatzbereiche für Kiefernholz
Kiefer wird in der Baupraxis vielfältig eingesetzt – allerdings fast nie unbehandelt im Außenbereich:
- Tragende Bauteile im Innenbereich (Balken, Sparren, Stützen)
- Furnier- und Plattenwerkstoffe (Möbelindustrie)
- Konstruktionsvollholz (KVH) – meist mit Splintreduzierung und Trocknung
- Imprägniertes Gartenholz (Pfosten, Pergolen, Unterkonstruktionen)
- Fensterrahmen und Türen – in Kombination mit Beschichtungssystemen
Im konstruktiven Holzbau wird Kiefer wegen ihrer Festigkeit und Formstabilität geschätzt – allerdings nur bei ausreichender Trocknung und geringem Splintholzanteil.
Typische Holzschäden an Kiefer laut Kempe
Kempe dokumentiert zahlreiche Schadensfälle durch Kiefernholz im Bestand – insbesondere, wenn:
- Splintholz nicht entfernt oder geschützt wurde
- Feuchteeinträge durch falsche Konstruktion erfolgten
- Unzureichende Imprägnierung im Außenbereich angewandt wurde
Typische Schaderreger bei Kiefer:
- Hausbockkäfer (Hylotrupes bajulus): bevorzugt trockenes, nicht imprägniertes Splintholz
- Braunfäule: besonders bei stehender Feuchte oder Dauerbefeuchtung
- Echter Hausschwamm: unter Bodenbelägen oder im Kellerbereich
- Bläuepilze: bei luftfeuchter Lagerung (optisch störend, technische Beeinträchtigung möglich)
In mehreren Fällen beschreibt Kempe schwerwiegende Befälle an imprägnierter Kiefer, bei denen die Schutzwirkung nicht ausreichte – z. B. durch zu geringen Eindringgrad oder Splintreste.
Besonderheiten bei der Imprägnierung von Kiefer
Ein Vorteil der Kiefer gegenüber z. B. Fichte oder Lärche ist ihre gute Imprägnierbarkeit. Das Splintholz der Kiefer lässt sich im Vakuum-Druckverfahren gut mit Schutzmitteln durchtränken, wodurch es für den Außeneinsatz tauglich gemacht werden kann.
Jedoch gilt:
- Nur geprüfte Schutzmittel und Verfahren verwenden
- DIN 68800-3 beachten
- Sichtkontrolle des Imprägnierungserfolgs (z. B. grünlich bei chromfreiem Salzschutz)
Gutachterliche Bewertung von Kiefernholz im Bestand
Ein Sachverständiger prüft im Schadensfall unter anderem:
- Ob ausreichend imprägniert wurde (z. B. Bohrwiderstand, Sichtkontrolle)
- Ob Splintholzanteile vorhanden sind
- Ob Kiefernholz korrekt nach Normen verbaut wurde
- Wie hoch die Holzfeuchte ist
- Welche Schaderreger vorhanden sind
In vielen Fällen lässt sich durch eine Kombination aus visuellem Befund, Holzfeuchtemessung und eventuell mikrobiologischer Untersuchung die Ursache klar feststellen.
Fazit: Kiefer nur mit Schutzmaßnahmen einsetzbar
Kiefer ist ein vielseitiges, regional verfügbares Nadelholz mit guten mechanischen Eigenschaften. Seine große Schwachstelle ist das Splintholz, das praktisch immer besonders geschützt werden muss. Besonders im Außenbereich ist eine technische Imprägnierung oder eine bauliche Schutzmaßnahme unerlässlich.
Empfehlung für die Praxis:
- Kiefernholz technisch trocknen (u < 20 %)
- Splintholz reduzieren oder imprägnieren
- Nur zugelassene Schutzmittel nach DIN 68800-3 einsetzen
- Bei sichtbarem Holz: Kombination mit Oberflächenbeschichtung
- Im Zweifel: Sachverständige für Holzschutz hinzuziehen
Kontakt
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Sachverständigenbüro Charles Knepper
Kirchweg 4
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E-Mail: gutachter-knepper@online.de
Weitere Informationen:
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Quellen:
- DIN EN 350
- DIN 68800 Teile 1–4
- Dokumentation Holzschädlinge – Kempe
- Eigene Erfahrungen aus der Gutachterpraxis
