Dauerhaftigkeit von Holzarten nach DIN EN 350-2 – aktuelle Bewertung und Bedeutung für den Holzschutz

Einleitung: Dauerhaftigkeit statt Resistenz – warum der richtige Begriff entscheidend ist

Im Holzbau hat sich die Terminologie in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt. Der früher gebräuchliche Begriff „natürliche Resistenz“ wird heute fachlich korrekt durch „biologische Dauerhaftigkeit“ ersetzt. Maßgeblich für die Einstufung dieser Eigenschaft ist die DIN EN 350-2, welche die Dauerhaftigkeit von Holzarten und Holzprodukten gegenüber holzzerstörenden Organismen definiert und klassifiziert.

Für Bauherren, Planer, Zimmerer und Sachverständige ist diese Norm von zentraler Bedeutung. Sie liefert die Grundlage für die Auswahl geeigneter Holzarten, insbesondere im Hinblick auf den vorbeugenden Holzschutz. Die DIN 68800 greift diese Einstufungen auf, ersetzt sie jedoch nicht. Die DIN EN 350-2 ist die Bewertungsgrundlage, die DIN 68800 regelt die Anwendung im Bauwesen.


Abgrenzung der Normen: DIN EN 350-2 und DIN 68800

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die Vermischung der Norminhalte. Daher ist eine klare Abgrenzung notwendig:

  • DIN EN 350-2
    beschreibt und bewertet die biologische Dauerhaftigkeit von Holzarten sowie deren Widerstand gegen holzzerstörende Organismen.
    Sie beantwortet die Frage:
    Wie dauerhaft ist das Kernholz einer bestimmten Holzart?
  • DIN 68800
    regelt den Holzschutz im Hochbau. Sie legt fest, wann und wie eine Holzart eingesetzt werden darf und welche zusätzlichen Maßnahmen erforderlich sind.

Die DIN EN 350-2 ist somit die wissenschaftlich-technische Grundlage, während die DIN 68800 die baurechtliche Umsetzung vorgibt.


Was bedeutet biologische Dauerhaftigkeit nach DIN EN 350-2?

Die biologische Dauerhaftigkeit beschreibt die Widerstandsfähigkeit des Kernholzes einer Holzart gegenüber dem Abbau durch biologische Schaderreger, insbesondere:

  • holzzerstörende Pilze
  • holzzerstörende Insekten
  • gegebenenfalls Termiten

Entscheidend ist dabei eine klare Feststellung der Norm:

Die Dauerhaftigkeit bezieht sich ausschließlich auf das Kernholz.
Das Splintholz gilt bei nahezu allen Holzarten als nicht dauerhaft und ist grundsätzlich anfällig für biologischen Befall.

Die Dauerhaftigkeit ist eine materialeigene Eigenschaft, die aus den holzinternen Inhaltsstoffen resultiert, etwa Gerbstoffen, Harzen oder phenolischen Verbindungen.


Dauerhaftigkeitsklassen nach DIN EN 350-2

Die DIN EN 350-2 unterteilt Holzarten in fünf Dauerhaftigkeitsklassen gegenüber holzzerstörenden Pilzen. Diese Klassen ersetzen die frühere Einteilung nach Resistenzklassen.

DauerhaftigkeitsklasseBezeichnungBeschreibung
Klasse 1sehr dauerhaftsehr hohe Widerstandsfähigkeit
Klasse 2dauerhafthohe Widerstandsfähigkeit
Klasse 3mäßig dauerhaftbegrenzte Widerstandsfähigkeit
Klasse 4wenig dauerhaftgeringe Widerstandsfähigkeit
Klasse 5nicht dauerhaftsehr geringe Widerstandsfähigkeit

Diese Einstufung basiert auf standardisierten Prüfverfahren, bei denen das Kernholz gezielt holzzerstörenden Pilzen ausgesetzt wird. Die Abbaugeschwindigkeit und der Masseverlust dienen als Bewertungsgrundlage.


Typische Holzarten und ihre Dauerhaftigkeit nach DIN EN 350-2

Im Folgenden eine praxisrelevante Übersicht häufiger Bauhölzer:

Sehr dauerhaft bis dauerhaft (Klasse 1–2)

  • Robinie
  • Teak
  • Bangkirai
  • Eiche (Kernholz)

Diese Holzarten eignen sich bei geeigneter Konstruktion auch für stark beanspruchte Außenbereiche.

Mäßig dauerhaft (Klasse 3)

  • Europäische Lärche
  • Douglasie (Kernholz)

Sie sind für den Außenbereich geeignet, wenn konstruktive Holzschutzmaßnahmen konsequent umgesetzt werden und der Splintholzanteil gering ist.

Wenig bis nicht dauerhaft (Klasse 4–5)

  • Kiefer
  • Fichte
  • Tanne
  • Buche

Diese Holzarten sind ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen nur in trockenen, geschützten Bereichen einsetzbar.


Bedeutung des Splintholzes im Zusammenhang mit der Dauerhaftigkeit

Ein zentraler Punkt der DIN EN 350-2 ist die klare Trennung zwischen Kern- und Splintholz. In der Praxis wird dieser Aspekt häufig unterschätzt.

  • Splintholz besitzt keine natürliche Dauerhaftigkeit
  • Es enthält Nährstoffe, die Pilze und Insekten begünstigen
  • Es nimmt Feuchtigkeit besonders schnell auf

Selbst bei dauerhaftem Kernholz kann ein hoher Splintholzanteil die Gesamtlebensdauer eines Bauteils erheblich reduzieren. Deshalb fordert die DIN 68800 bei bestimmten Anwendungen entweder:

  • die vollständige Entfernung des Splintholzes oder
  • zusätzliche Holzschutzmaßnahmen

Dauerhaftigkeit und Gebrauchsklassen – Zusammenspiel mit DIN EN 335

Die Dauerhaftigkeit nach DIN EN 350-2 muss immer im Zusammenhang mit der Gebrauchsklasse betrachtet werden. Diese wird nach DIN EN 335 definiert und beschreibt die Feuchtebeanspruchung des Holzes.

Beispiele:

  • Gebrauchsklasse 0–1
    trocken, geschützt
    auch wenig dauerhafte Holzarten einsetzbar
  • Gebrauchsklasse 3
    außen bewittert, ohne Erdkontakt
    mindestens mäßig dauerhafte Holzarten erforderlich oder zusätzlicher Schutz
  • Gebrauchsklasse 4
    Erd- oder Wasserkontakt
    nur sehr dauerhafte Holzarten oder chemischer Holzschutz zulässig

Die Dauerhaftigkeit allein reicht also nicht aus – entscheidend ist immer die Kombination aus Holzart, Konstruktion und Feuchtebeanspruchung.


Grenzen der Dauerhaftigkeit – was sie nicht leisten kann

Die DIN EN 350-2 weist ausdrücklich darauf hin, dass die biologische Dauerhaftigkeit:

  • keine Aussage über die mechanische Festigkeit trifft
  • keine Garantie für unbegrenzte Lebensdauer darstellt
  • keine mangelhafte Konstruktion kompensiert

Fehler wie stehendes Wasser, fehlende Hinterlüftung, Erdberührung oder dauerhaft erhöhte Holzfeuchte führen auch bei sehr dauerhaften Holzarten zu Schäden.

Der Grundsatz lautet daher weiterhin:

Dauerhaftigkeit ersetzt keinen konstruktiven Holzschutz.


Bedeutung für Planung, Ausführung und Begutachtung

Für die Praxis bedeutet die Anwendung der DIN EN 350-2:

  • Holzarten sind gezielt nach ihrer Dauerhaftigkeitsklasse auszuwählen
  • Einsatzbereiche müssen normgerecht definiert werden
  • Bauherren sind über Grenzen und Risiken aufzuklären
  • Schäden sind stets im Kontext von Holzart, Feuchte und Konstruktion zu bewerten

In der gutachterlichen Praxis zeigt sich regelmäßig, dass Schäden nicht durch eine „falsche Norm“, sondern durch falsche Anwendung der Dauerhaftigkeit entstehen.


Rolle des Sachverständigen bei der Bewertung der Dauerhaftigkeit

Ein Sachverständiger prüft nicht nur die verwendete Holzart, sondern bewertet:

  • den tatsächlichen Kernholzanteil
  • die Gebrauchsklasse vor Ort
  • die konstruktiven Schutzmaßnahmen
  • die vorhandene Holzfeuchte
  • den biologischen Zustand des Holzes

Gerade bei Streitfällen, Sanierungen oder Gewährleistungsfragen ist die korrekte Anwendung der DIN EN 350-2 von entscheidender Bedeutung.


Fazit: Dauerhaftigkeit richtig verstehen und anwenden

Die DIN EN 350-2 stellt die maßgebliche Grundlage zur Bewertung der Dauerhaftigkeit von Holzarten dar. Sie ermöglicht eine objektive und vergleichbare Einstufung, ersetzt jedoch nicht die Notwendigkeit eines durchdachten Holzschutzkonzeptes.

Zusammengefasst:

  • Dauerhaftigkeit ist eine Materialeigenschaft des Kernholzes
  • Splintholz ist grundsätzlich nicht dauerhaft
  • Die DIN EN 350-2 liefert die Bewertung
  • Die DIN 68800 regelt die Anwendung
  • Konstruktiver Holzschutz bleibt unverzichtbar

Kontakt

Sie haben Fragen zur Dauerhaftigkeit von Holzarten oder benötigen eine fachliche Bewertung im Bestand oder Neubau?

Sachverständigenbüro Charles Knepper
Kirchweg 4
06295 Lutherstadt Eisleben
Funk 0177 4007130
E Mail gutachter-knepper@online.de

Weitere Informationen unter:
https://schimmelhilfe24.de
https://holzschutz-gutachten24.de
https://gutachter-knepper.de
https://bauschaden24.eu


Quellen
DIN EN 335
DIN 68800 Teile 1 bis 4
Praxiserfahrungen aus der Sachverständigentätigkeit


Charles Knepper

öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger der Handwerkskammer Halle/Saale seit 1997

Schreibe einen Kommentar