Einleitung: Was ist Braunfäule?
Die sogenannte Braunfäule (auch Destruktionsfäule genannt) ist eine der häufigsten und gefährlichsten Formen biologischer Holzzerstörung im Bauwesen. Sie tritt bevorzugt bei Nadelholz auf und wird durch verschiedene holzzerstörende Braunfäulepilze verursacht.
Typisch für die Braunfäule ist, dass sie das Zellulose-Grundgerüst des Holzes abbaut, während Lignin weitgehend erhalten bleibt. Das befallene Holz verliert schnell seine Festigkeit, wird brüchig, quaderförmig rissig und zeigt eine dunkelbraune bis kaffeebraune Verfärbung – daher der Name.
Diese Art der Holzzerstörung zählt zu den Destruktionsfäulen, da sie die tragende Struktur des Holzes in kurzer Zeit vollständig zerstören kann. Der bekannteste Braunfäuleerreger im Bauwesen ist der Echte Hausschwamm (Serpula lacrymans) – aber auch viele andere Pilze verursachen Braunfäule.
Ursachen der Braunfäule
Die Braunfäule entsteht, wenn holzzerstörende Pilze günstige Lebensbedingungen vorfinden. Dazu gehören:
- Holzfeuchte über 20 % (idealer Bereich 25–40 %)
- Temperaturen zwischen 0 und 40 °C, optimal ca. 20–30 °C
- Sauerstoffverfügbarkeit
- Keine direkte Sonneneinstrahlung
- Fehlen von Holzschutzmaßnahmen
Ein einmal begonnener Befall breitet sich rasch aus, insbesondere wenn bauliche Mängel wie Wasserschäden, Leckagen oder fehlende Belüftung hinzukommen. Anders als Oberflächenverfärbungen (z. B. Bläue) führt Braunfäule zur vollständigen statischen Zerstörung des Holzes.
Typische Erkennungsmerkmale von Braunfäule
Die Erkennung erfolgt durch visuelle und mechanische Merkmale. Zu den typischen Anzeichen gehören:
- Dunkelbraune bis kaffeebraune Holzverfärbung
- Quaderförmige Rissbildung quer zur Faser
- Sprödes, würfelig zerfallendes Holz
- Volumenschwund bei gleichzeitig starkem Festigkeitsverlust
- Staubiger Zerfall im fortgeschrittenen Stadium
- Oft muffiger, erdiger Geruch
Im Unterschied zur Weißfäule bleiben bei Braunfäule Ligninanteile erhalten, wodurch das Holz dunkel und spröde wird. Das betroffene Holz verliert sehr früh seine Tragfähigkeit – noch bevor der Schaden äußerlich sichtbar wird.
Die wichtigsten Braunfäulepilze im Bauwesen
Neben dem Echten Hausschwamm existieren zahlreiche weitere Pilze, die Braunfäule verursachen. Laut Kempe und DIN 68800 zählen dazu:
1. Serpula lacrymans (Echter Hausschwamm)
- Aggressivster Pilz im Bauwesen
- Starkes Myzelwachstum auch auf mineralischem Untergrund
- Kann Mauern durchwachsen und Feuchtigkeit transportieren
- Befällt verbautes Holz bei ≥ 20 % Holzfeuchte
- Große Gefahr in verdeckten Bereichen
2. Coniophora puteana (Kellerschwamm)
- Häufigster Braunfäulepilz
- Typisch bei feuchtem Kellerholz, Balkenköpfen, Lagerhölzern
- Kein Myzeltransport durch Mauerwerk
3. Antrodia spp. (z. B. Antrodia vaillantii)
- Befällt konstruktives Holz im Außenbereich
- Oft bei Fichten- und Kiefernholz
4. Poria spp. (z. B. Poria placenta)
- Tritt bevorzugt in Dachstühlen auf
- Verursacht starken Festigkeitsverlust
- Entwickelt rasch große Myzelien
Alle genannten Pilze haben gemeinsam, dass sie tragende Holzkonstruktionen zerstören können, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und gestoppt werden.
Braunfäule vs. Weißfäule – der Unterschied
Während Braunfäulepilze bevorzugt Zellulose abbauen, zersetzen Weißfäulepilze primär Lignin. Daraus ergeben sich Unterschiede in der Holzveränderung:
| Merkmal | Braunfäule | Weißfäule |
|---|---|---|
| Farbe | Dunkelbraun, kaffeebraun | Hell, weißlich bis grauweiß |
| Struktur | Würfelbruch, quaderförmig | Faserig, zottelig |
| Konsistenz | Spröde, trocken | Faserig, weich |
| Abbau | Zellulose | Lignin (und z. T. Zellulose) |
| Holzart | Meist Nadelholz | Häufig Laubhölzer (z. B. Buche) |
Schäden durch Braunfäule: Beispiele aus der Praxis
Aus dem Werk „Dokumentation Holzschädlinge“ von Kempe ergeben sich zahlreiche Praxisbeispiele, bei denen Braunfäule massive Schäden verursacht hat:
- Balkenköpfe in Mauerwerk: Dauerfeuchte, keine Hinterlüftung → Coniophora
- Deckenbalken über feuchten Kellern: Befall durch Kellerschwamm
- Fassadenunterkonstruktionen aus Nadelholz: Fäule durch Antrodia bei Spritzwasser
- Schwellen in Fachwerkhäusern: Hausschwammbefall nach undichten Sockeln
- Dachstühle mit Feuchteschäden: massiver statischer Verlust durch Braunfäule
In allen Fällen war der Holzfeuchtegehalt dauerhaft zu hoch – häufig durch verdeckte Mängel oder langjährige Vernachlässigung.
Holzschutzmaßnahmen gegen Braunfäule
Die wichtigste Maßnahme gegen Braunfäule ist die Vermeidung kritischer Holzfeuchte. Dazu zählen:
1. Konstruktiver Holzschutz
- Kein Erdkontakt von tragenden Holzteilen
- Ausreichende Belüftung und Trocknung
- Schutz vor Spritzwasser, Kondensat und Leckagen
- Trennung Holz/Mauerwerk (z. B. durch Fugenlüftung, Feuchtigkeitssperren)
2. Verwendung geeigneter Holzarten
- Dauerhafte Hölzer (z. B. Robinie, Eiche) in bewitterten Bereichen
- Keine Verwendung von Splintholz in GK 3 oder 4
- Beachtung der DIN EN 350 (Dauerhaftigkeit)
3. Chemischer Holzschutz
- Nur zulässig, wenn konstruktiver Schutz nicht ausreicht
- Einsatz gemäß DIN 68800 Teil 3
- Einbringung durch Druckimprägnierung oder Schutzmittelanstriche
4. Regelmäßige Kontrolle und Wartung
- Bauwerksinspektionen (Feuchte, Befall, Rissbildung)
- Sachverständige bei Verdacht hinzuziehen
- Holzfeuchtemessung bei verdeckten Bauteilen
Was tun bei Befall?
Ein beginnender Befall durch Braunfäule kann nur durch sofortiges Handeln gestoppt werden. Dabei gelten folgende Grundsätze:
- Feuchtequelle abstellen (Rohrbruch, Leckage, Kondensat)
- Befallenes Holz freilegen und beurteilen
- Statische Gefährdung bewerten – ggf. durch einen Gutachter
- Befallenes Holz entfernen, angrenzendes Holz behandeln
- Myzel und Sporen beseitigen, ggf. chemisch desinfizieren
Beim Echten Hausschwamm ist zusätzlich zu beachten, dass auch Mauerwerk kontaminiert sein kann – hier gelten die besonderen Regelungen nach DIN 68800-4.
Fazit: Braunfäule ist gefährlich – aber vermeidbar
Braunfäule gehört zu den verheerendsten Holzschäden, die in Gebäuden auftreten können. Sie entwickelt sich schleichend, ist oft verdeckt – und führt unbehandelt zum Totalversagen tragender Holzkonstruktionen. Entscheidend ist die Früherkennung und konsequente Beseitigung der Ursachen, insbesondere der Feuchte.
Empfehlungen:
- Baukonstruktionen trocken halten
- Nur dauerhafte Hölzer im Außenbereich verwenden
- Splintholz in GK 3/4 vermeiden
- Regelmäßig auf Schäden und Verfärbungen kontrollieren
- Bei Verdacht: Sachverständigenbüro beauftragen
Kontakt
Haben Sie Verdacht auf Braunfäule oder möchten Ihre Holzkonstruktionen sicher beurteilen lassen?
Sachverständigenbüro Charles Knepper
Kirchweg 4
06295 Lutherstadt Eisleben
Funk 0177 4007130
E-Mail: gutachter-knepper@online.de
Weitere Informationen:
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Quellen:
- DIN EN 335
- DIN 68800 Teile 1–4
- Dokumentation Holzschädlinge – Kempe
- Eigene Erfahrungen aus der Holzschutz-Gutachterpraxis
