Einleitung: Was sind Bläuepilze?
Bläuepilze gehören zu den holzverfärbenden Mikroorganismen, die auf den ersten Blick oft mit holzzerstörenden Pilzen verwechselt werden. Sie verursachen dunkle, meist bläuliche bis grauschwarze Verfärbungen im Holz, vor allem bei Nadelhölzern wie Kiefer oder Fichte. Diese Verfärbung ist optisch auffällig, aber technisch nicht zerstörend im Sinne einer Substanzminderung – was häufig zu Missverständnissen führt.
Trotzdem stellt der Befall durch Bläuepilze einen relevanten Qualitätsmangel dar – vor allem im sichtbaren Bereich, im Fensterbau oder bei nicht gestrichenen Holzoberflächen.
Unterschied zu „echten“ Bauholzpilzen
Bläuepilze unterscheiden sich grundsätzlich von holzzerstörenden Pilzen (wie Braunfäule- oder Weißfäuleerregern), da sie nicht die tragenden Zellwandbestandteile abbauen, sondern nur die Zellinhaltsstoffe und das Lumen besiedeln.
| Merkmal | Bläuepilze | Holzzerstörende Pilze (z. B. Braunfäule) |
|---|---|---|
| Wirkung auf das Holz | Verfärbung durch Pigmente | Abbau der Zellwandstruktur |
| Festigkeitsverlust | nein, vernachlässigbar | ja, oft schwerwiegend |
| Betroffene Holzarten | v. a. Nadelhölzer (Splintholz) | Nadel- und Laubhölzer (Kern- und Splintholz) |
| Voraussetzung | Holzfeuchte > 20 %, Temperatur > 0 °C | Holzfeuchte > 20–30 %, längerfristige Einwirkung |
| Gefährdung | optisch, witterungsanfälliger | statisch relevant, sicherheitsbedrohend |
Wie entsteht Bläue?
Bläue entsteht, wenn frisch eingeschnittenes oder unbehandeltes Nadelholz unter bestimmten klimatischen Bedingungen nicht rechtzeitig getrocknet oder geschützt wird. Bläuepilze keimen und wachsen bevorzugt in den wasserführenden Bereichen des Splintholzes, das noch reich an Nährstoffen ist.
Voraussetzungen für Bläuepilzbefall:
- Holzfeuchte über 20 %
- Temperatur zwischen 0 und 35 °C
- Sauerstoffverfügbarkeit
- Nährstoffreiches Splintholz
- Oft unzureichende Belüftung bei Lagerung oder Transport
Ein klassisches Beispiel ist die nicht abgedeckte Lagerung von Kiefernschnittholz im Sommer: Bereits nach wenigen Tagen können erste Verfärbungen auftreten.
Wie viele Arten von Bläuepilzen gibt es?
Bläue ist kein Befallsbild, das von einer einzigen Pilzart verursacht wird – es handelt sich um eine Pilzgruppe, die verschiedene Gattungen umfasst. Kempe nennt u. a.:
- Ceratocystis spp.
- Aureobasidium pullulans
- Sphaeropsis sapinea
- Leptographium spp.
- Ophiostoma spp.
Insgesamt sind mehrere Dutzend Pilzarten bekannt, die Bläue verursachen können. Sie zählen zu den sogenannten Ascomyceten (Schlauchpilzen) oder deren Nebenfruchtformen (Anamorphe). Viele davon sind spezialisiert auf bestimmte Wirtshölzer, z. B. Kiefer oder Lärche.
Wie schädigen Bläuepilze das Holz?
Bläuepilze dringen über die Tracheiden und Harzkanäle in das Holz ein, besiedeln dort das Lumen und bauen die leicht löslichen Holzbestandteile (z. B. Zucker, Stärke) ab. Dabei entstehen Pigmente, die sich in den Zellwänden einlagern und die typischen bläulich-grauen bis schwärzlichen Verfärbungen hervorrufen.
Auswirkungen:
- Optische Minderung der Holzqualität
- Erschwerte Imprägnierbarkeit
- Erhöhte Oberflächenrauigkeit
- Höhere Wasseraufnahmebereitschaft
- Bevorzugter Befall im Splintholz
Wichtig: Die mechanischen Festigkeitseigenschaften bleiben nahezu vollständig erhalten – das Holz ist nicht „verfault“ oder instabil, sondern nur optisch beeinträchtigt.
Bewertung aus holzschutztechnischer Sicht
Nach DIN 68800:
- Bläue wird nicht als holzzerstörend im technischen Sinne gewertet
- Gilt als Gebrauchsmangel, nicht als Gefährdung der Tragfähigkeit
- Bläue kann die Wirksamkeit nachfolgender Schutzmittel beeinträchtigen
In der Praxis:
- Sichtbare Oberflächen (z. B. Fenster, Türen, Fassaden) gelten bei Bläue als minderwertig
- Innenbauteile oder nicht sichtbare Konstruktionen meist unproblematisch
- Schutzklasse GK 0–1: Bläue ohne Konsequenz
- GK 2–3: Bei ungeschütztem Holz kann Bläue den Feuchteeintrag begünstigen und so Folgepilzen den Weg bereiten
Wie lässt sich Bläue verhindern?
Bläuebefall lässt sich durch geeignete Lagerung, Schnittholzauswahl und Trocknung weitgehend vermeiden:
Vorbeugung:
- Schnittholz schnell trocknen, ideal unter 20 % Holzfeuchte
- Abdecken bei Transport und Lagerung
- Luftdurchlässige Stapelung, keine Staunässe
- Schutzmittelauftrag gegen Bläue (z. B. Bläueschutzsalze) – insbesondere bei Kiefernsplintholz
Nachträgliche Behandlung:
- Chemisches Entfernen ist kaum möglich – Pigmente sind tief eingelagert
- Abhobeln, Schleifen oder Überdecken ist oft die einzige Lösung
- Einwachsen oder deckende Beschichtung kann optisch ausgleichen, aber keine Zerstörung rückgängig machen
Praxisbeispiele (laut Kempe)
In der Praxis wurden laut „Dokumentation Holzschädlinge“ zahlreiche Fälle dokumentiert:
- Kiefernschalung für Fassaden: Nach Transport bei Regen → Bläue bereits vor Montage
- Fensterrahmen aus nicht imprägnierter Kiefer: Nach kurzer Bauverzögerung → Bläuebildung an Sichtflächen
- Lagerhölzer auf Baustellen: ungeschützt, durchfeuchtet, von Bläue durchzogen → optischer Mangel
In allen Fällen konnte zwar keine statische Schwächung festgestellt werden – jedoch führten die optischen Mängel zu Reklamationen, Austausch oder Preisnachlässen.
Fazit: Bläue ist harmlos, aber nicht harmlos zu bewerten
Bläuepilze zerstören das Holz nicht im technischen Sinn, können jedoch erhebliche optische und funktionale Nachteile verursachen – insbesondere im sichtbaren oder bewitterten Bereich. Ihre Vermeidung ist mit einfachen Maßnahmen möglich, ihre Entfernung nach Befall jedoch meist nicht.
Empfehlungen:
- Kiefernsplintholz immer gegen Bläue schützen
- Keine Lagerung bei feuchtem Wetter ohne Schutz
- Bläueschutz als vorbeugende Maßnahme bei GK 2–3 einplanen
- Bläue als Qualitätsmangel ernst nehmen – besonders bei Sichtoberflächen
Kontakt
Sie haben Verfärbungen an Ihrem Holz festgestellt und möchten wissen, ob es sich um Bläue oder um echte Fäule handelt?
Sachverständigenbüro Charles Knepper
Kirchweg 4
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E-Mail: gutachter-knepper@online.de
Weitere Informationen:
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Quellen:
- DIN 68800 Teil 1–4
- DIN EN 335
- Dokumentation Holzschädlinge – Kempe
- Eigene Erfahrungen aus der Holzschutz-Gutachterpraxis
